12. und 13. April 2002

in den Räumen des Graduiertenkollegs Textkritik – 80799 München, Schellingstr. 9, 3. Etage

 


Thema der Tagung

Ist es möglich, das Internet in den Geisteswissenschaften zu verwenden, insbesondere um die großen literarischen und philosophischen Texte zu konstituieren, zu kommentieren und zu analysieren? Das Projekt HyperNietzsche nimmt die Herausforderung an, das Modell einer Infrastruktur für die kollektive vernetzte Arbeit in den Geistwissenschaften zu erarbeiten. Dazu werden die Softwareinstrumente entwickelt, die für den einfachen Einsatz einer solchen Infrastruktur und ihre Verwaltung in der täglichen Arbeit notwendig sind. Die Infrastruktur wird zunächst am Werk Friedrich Nietzsches erprobt, soll aber in der Folge auf andere Autoren, historische Epochen, Archivbestände oder philosophische Probleme übertragbar sein.

HyperNietzsche bietet den Nietzscheforschern ein Arbeitsinstrument, in dem einerseits die Primärquellen ihrer Arbeit Platz finden können (die digitalisierten Werke, Manuskripte und Briefe Nietzsches; die Bücher seiner persönlichen Bibliothek und biographische Dokumente) und das ihnen andererseits als Plattform zur Veröffentlichung ihrer eigenen Arbeiten zu Nietzsche dient.

HyperNietzsche ist eine hypertextuelle Struktur, in die alle verfügbaren Kenntnisse zur Philosophie Nietzsches eingefügt werden können. Das Projekt sprengt den Rahmen traditioneller Editionsvorhaben, da nicht eine kleine Herausgebergruppe darüber entscheidet, welche Materialien und Dokumente im System zur Verfügung gestellt werden sollten, sondern es im Gegenteil in den Händen aller Nietzscheforscher liegt, mit welchen Inhalten sie die angebotene hypertextuelle Struktur füllen wollen. Die Qualität der Beiträge wird dabei garantiert durch die Arbeit eines wissenschaftlichen Komitees, das alle zwei Jahre von den Mitgliedern der Association HyperNietzsche gewählt wird, also durch alle, die zum HyperNietzsche beigetragen haben. Die rechtliche Organisation des HyperNietzsche wird allen den Zugang zu Materialien und Beiträgen ermöglichen, jedoch verhindern, daß jemand sich bestimmte Dokumente aneignet oder andere Rechtsansprüche verletzt.

Ein Korpus wurde ausgewählt, um das System zu testen, um einen ersten Materialkern im HyperNietzsche zu erstellen und so eine kritische Masse an Dokumenten zu erreichen, die den Forschern die Erprobung dieses neuen Forschungsinstrumentes möglich macht und die Bereitschaft weckt, selbst zur Bereicherung des Hypertextes und zu seiner Entwicklung durch wissenschaftliche Beiträge beizusteuern. Dieses Korpus betrifft im wesentlichen die Zeit der Philosophie des Freigeists. In den sechs Jahren seiner Freigeisterei, von 1876 bis 1882, nähert sich Nietzsches Philosophie dem Geist der Aufklärung, der Demokratie und einer umfassenden Wissensverbreitung an. Diese Aspekte sind es, die auch unser Projekt charakterisieren.

Seit 1999 in Frankreich finanziert durch das Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) und das Ministère de la recherche und seit 2001 in Deutschland durch den Sofja-Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung (Zukunftsinvestionsprogramm der Bundesregierung), wird das Projekt HyperNietzsche am Pariser Institut des Textes et Manuscrits Modernes (ITEM) und seit Herbst 2001 an der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt.

Am 12. und 13. April 2002 stellen die Mitarbeiter das Projekt in seinen philosophischen, textkri-tischen, technischen und rechtlichen Aspekten vor.


Programm


Freitag, 12. April 2002

Vormittag (9:00 – 12:30)

Paolo D’Iorio
Eine Forschergemeinschaft im Internet

Inga Gerike
Manuskripte und Textgenese

Pause

Silke Clausing
Der Nachlaß Nietzsches und das Urheberrecht

Nachmittag (14:30 – 17:00)

Renate Müller-Buck
Briefwechsel

Harald Saller
Werke und Editionen

Marco Brusotti
Forschungsbeiträge und Peer Review

Pause

Philippe Chevet
Copyright in Internet and HyperNietzsche Licences

Samstag, 13. April 2002

Vormittag (9:00 – 12:30)

Salvatore Viola
HyperNietzsche und Nietzsche News Center

Jean-François Antoniotti, Jean-Vincent Loddo
HyperNietzsche Dynamic Web Site: Concepts and Structure

Rundgespräch zu den EDV-Strukturen

Nachmittag (14:30 – 17:00)

Schlußdiskussion: HyperNietzsche: Ein Neuangebot für die Nietzsche-Forschung. Philosophen, Textkritiker, Editoren im Gespräch.



Veranstalter

Projekt HyperNietzsche
Graduiertenkolleg Textkritik
Ludwig Maximilians Universität München
Alexander von Humboldt Stiftung
Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung
Institut des Textes et Manuscrits Modernes (ITEM, CNRS –ENS)
Programme Numérisation pour l'Enseignement et la Recherche (FMSH–PNER)
Ministère de la Recherche

Wissenschaftliche Leitung:
Paolo D’Iorio, Hans Walter Gabler


Kontakt

Für weitere Informationen, eventuelle Programmänderungen

E-Mail: secr@hypernietzsche.org

oder

Projekt HyperNietzsche
Schellingstr. 9, 80799 München
Fax: 089 21 80 13 540